29. Oktober 2013

comeback

Ich weiß nicht was ich sagen soll.
Es gibt so viel zu sagen, es gibt zu viel zu erzählen. Aber vielleicht muss nicht alles gesagt werden. 
Eine kurze Zusammenfassung: Da mich einige gefragt haben, nein, zu dem Typen aus Hamburg habe ich keinen Kontakt mehr. Und ja, damit komme ich klar. Inzwischen schon, irgendwie. Wenn sich anderthalb Jahre als einzig große Lüge herausstellen, ist das nicht leicht. Aber machbar. So wie alles machbar ist. 
Die Zeit in der Klinik habe ich hinter mich gebracht, eher weniger erfolgreich. Ich rate euch von diesen Tageskliniken ab, das einzig gute an diesen Wochen waren die wundervollen Menschen die ich kennenlernen durfte. 
Wie gesagt, ich möchte nicht zu viel erzählen. Es ist alt, es ist nicht so als wenn irgendetwas passiert wäre, was alles verändert hat. So gesehen, hat sich nichts verändert. 
Es ist dieser Zustand, wo sich um einen herum alles ändert, nur man selbst scheint stehen zu bleiben. An der gleichen Stelle, schon ewig, noch ewig. Wisst ihr, ich studiere, meine engsten Freunde sind weggezogen und ich habe neue Leute kennengelernt. Es sind viele neue Eindrücke in meiner alten tristen Umgebung. Ich bin immernoch zuhause. Ich studiere etwas, was ich so nie wollte in einem Ort, den ich nach der Schule sofort verlassen wollte. Niemand ist hier, die neuen Leute sind älter, verstehen mich nicht, ich verstehe sie nicht. Und ich weiß nicht, wie ich irgendwas daran ändern soll.
Wo soll ich anfangen? Wohin soll ich gehen? 
Mein Kopf ist voll mit Ideen, mit Plänen, mit Ängsten, mit dieser gottverdammten Angst.
Und das ist momentan der Stand der Dinge. Ich bin wieder da. 
Alles ist wie immer
Und ob das gut oder schlecht ist, das liegt ja wohl auf der Hand -

22. Juli 2013

another love

03:22
Mein Herz schlägt. Es schlägt mir bis zum Hals, und alles was ich gerade will ist, dass es einfach aufhört. Alles soll aufhören. Geht das? Irgendwie? Bitte.
Ich sitze auf dem Bett, drehe mein Handy unruhig in der Hand. So war das nicht geplant. So sollte das nicht laufen mit ihm. Nicht so. Nicht um drei Uhr morgens. Niemals sollte es so laufen. 
Die Zeit um dreißig Minuten zurückdrehen, und ich würde alles anders machen. Ich hätte das nicht geschrieben. Ich wäre cool geblieben. Und jetzt? Jetzt ist es geschehen. Und ich muss das aufsammeln, was jetzt kaputt gegangen ist. 
Wie es in tausend kleinen Teilen vor mir liegt. Und mich gemein angrinst.
All seine sms sind gelöscht. Sofort. Selbst die, die ich immer 'aufbewahrt' habe. Alle weg, einfach nur weg. 
Mir ist so schlecht. Und ich muss schlafen. Ich muss nachher in diese verfickte Klinik und mir ist schlecht und ich kann das immernoch nicht glauben. Und was ich jetzt gerne tun würde, wäre heulen. Genau jetzt. Doch es geht nicht. 
Ich will dir keine falschen Hoffnungen machen. Ich rede wirklich gerne mit dir, aber mehr ist da nicht. 
Und wird es auch niemals sein.

Mehr ist da nicht. Mehr wird da nie sein. Es tut mir leid. Mehr ist da nicht.. 03:38.
Ich versuche noch irgendwas zu retten. Wenn ich eins kann, dann schauspielern. Ich nehme es mit Humor. 
Rede mich raus. Es funktioniert. Wie immer. Für ihn geht es normal weiter.  
Wie konnte ich mich monatelang so täuschen? Wieso ist es jetzt plötzlich raus? Soll ich mich oder ihn hassen? 
Das ist also der Start in die neue Woche? Eine Abfuhr der ganz alten Schule? 
Einatmen. Ausatmen. Mir ist immernoch schlecht. Weiteratmen. 
Und dann wird es nur noch schlimmer. Es kann nicht normal weitergehen. Es ist ab heute, ab hier, ab jetzt, schlicht und ergreifend kaputt. Einatmen. Ausatmen. 
So wie es war, wird es nie wieder. Jetzt wo ich weiß, dass da nicht mehr nicht. 
"Und da auch nie mehr sein wird". 03:47. 

15. Juli 2013

Der erste Tag

Am schlimmsten ist die Erkenntnis, dass man ganz unten ist. 
Ich weiß nicht, wann ich diese erlangt habe. 
Vielleicht, als ich heute morgen um 05:30 das Haus verlassen habe.
Vielleicht, als ich in dem überfüllten Bus saß mit all den Menschen, die ganz bestimmt nicht in eine Klinik fahren. 
Vielleicht habe ich bemerkt dass ich ganz unten bin, als mich das Pflegepersonal begrüßte und die Praktikantin in meinem Alter mich mitleidig ansah. 
Oder beim Malen und Basteln (...!) mit meiner Therapiegruppe. 

Spätestens als ich vor dem Arzt sitze der mich über alles ausfragt, wird mir klar wo ich hier eigentlich bin. 
Er stellt zu viele Fragen, will Erklärungen für Dinge, die ich nicht erklären kann.
Es ist fast schon witzig, dass ich ihm erst sage, ich würde viel über mich nachdenken, und ihm dann doch nicht mein Verhalten erklären kann. Ob er sich verarscht vorkommt? 
"Sie sind bestimmt eine Bereicherung für die Gruppe", sagt er. Ich will gar nicht wissen, wie er das meint. 
"Weil sie bisher keine Psychos mit grünen Haaren hier haben?", platzt es dann doch aus mir heraus. Warum rede ich so? 
Er lacht. Vermutlich weil er jung und cool ist, und meinen Humor versteht. 
Nach dem Gespräch verziehe ich mich zum gefühlt zehnten Mal auf die Toilette.
Die Leute hier sind okay, so okay wie sie mir nach ein paar Stunden eben erscheinen können.
Wieder kommen mir die Tränen. Montag bis Samstag, mindestens fünf Wochen lang, muss ich hier stundenlang sitzen. 
Alle genießen die freie Zeit, und ich? Ja, ich sitze auf der Toilette einer Psychoklinik, soll meinen Psychofaktor reduzieren und die Gruppe mit meinen grünen Haaren bereichern. Alle hier sind älter als 25, ich komme mir vor wie ein Kleinkind. 
Immernoch Tränen. Weggewischt. Weitermachen. 
Das Mittagessen landet im Müll. Ich habe Hunger wie sonstwas, aber es schmeckt eklig, wirklich eklig.
Ich bemerke die Blicke der Pfleger. Wahrscheinlich werde ich ab morgen zwangsernährt. Wobei, bei einer kleinen Diät könnten die mich hier ja schon unterstützen. Vom Fleisch fallen werde ich denen bestimmt nicht, bei meinen Reserven überall, haha. Dank meinem Bänderriss (rennt niemals nachts besoffen über Wiesen, es könnten Löcher im Boden sein) muss ich nicht zu den Sportgruppen. Schade aber auch
Also darf ich heute eher gehen. 13:30. Ich mache mich auf den Weg zum Bus. Das war er also, der erste Tag. 

Ich komme nach Hause und schließe meine Zimmertür hinter mir. Es ist keiner da, ich bin alleine mit mir, und ich weiß nicht wie ich das finden soll. Möchte ich mit irgendwem darüber reden? Für eine Antwort an mich selbst ist keine Zeit.
Meine Augen brennen, mit einem lauten Knall landet meine Tasche auf dem Schreibtisch. Ich lasse mich auf mein Bett fallen und heule. Ja, schon wieder. Keine Ahnung was da heute los ist.
Ich will das alles nicht. Ich will einfach nur normal sein. So sein wie andere in meinem Alter. 
Wie konnte ich zulassen, dass ich jetzt so eine Scheiße machen muss?
Ich hasse mich dafür. Ich hasse das was war. Ich hasse das was sein wird. 
Was ist nur aus mir geworden?