19. Juni 2013

"sei mir nicht böse"

Es gibt so Sätze, die einfach auf eine rote Liste gehören.
Du bist wie eine Schwester für mich (vom Traummann)
Lass uns doch Freunde bleiben (siehe oben)
Sei mir nicht böse, aber ... (von jeder Person, die eine ausgemachte Verabredung absagt) 

17:45 - Ich sitze auf meinem Bett und packe meine Tasche. Ich habe extra eine größere Tasche genommen, die Nacht ist lang. Nebenbei lasse ich mir auf der Internetseite der Bahn verschiedene Strecken anzeigen. Düsseldorf. Köln. Hamburg. Ich überlege kurz. Auf Hamburg habe ich keine Lust. Ich muss an ihn denken, an Hamburg, an alles. Ich habe also die Wahl zwischen Düsseldorf und Köln. Vielleicht entscheide ich mich erst später, ganz spontan. 
Meinen Laptop muss ich auch mitnehmen. Ich muss schreiben. Eine einsame Nacht eignet sich immer gut zum schreiben. Ein bisschen nervös bin ich ja schon. Sowas hab ich einfach noch nie gemacht. Eine ganze Nacht allein irgendwo, mit niemandem außer mir selbst und meinen Gedanken. 
"Sei mir nicht böse" - so hatten mir drei Leute abgesagt. Wieso will keiner was mit mir machen, bin ich so unausstehlich? Alle schreien immer nach Freiheit und die Nacht durchquatschen, und dann wollen doch alle nicht. Schlafen. Oder die Wand anstarren. Das ist halt einfach wichtiger. 
Was wäre eigentlich, wenn ich doch mal böse wäre? Jedes Mal ist es okay, sage ich. Jedes Mal finde ich schon was anderes, sage ich. Doch was, wenn ich doch mal böse bin. Denn wieso sollte man nicht böse auf jemanden sein, der sagt immer für einen da zu sein, und dann doch nie da ist? Beschlossene Sache: Bin böse. 
Ich überlege wie ich am besten fahre. Um halb acht von zuhause los. Hoffentlich spricht mich keiner an, denke ich. Fragt, ob ich kein zuhause habe. Verschleppt mich und verkauft mich. Ich atme schneller. 
Das Drama geht wieder mit mir durch. 

17:55 - Ich habe keine Lust, die ganze Nacht alleine rumzuhängen. Aber ich muss hier raus. 
Einfach nur raus.