12. November 2012

morgen wie heute wie gestern

morgen früh um sechs klingelt mein wecker.
ich werde ihn ausschalten, einen neuen alarm auf zehn minuten später stellen, und weiterschlafen. nach zehn minuten schalte ich den wecker wieder aus.
ich liege da, und denke nach. so, wie man halt morgens schon denken kann.
verschlafen, unmotiviert, schwach, leer
in gedanken spiele ich den tag durch. welche fächer werde ich haben? habe ich alle hausaufgaben (natürlich nicht.)? welche leute sind in den kursen? langsam schließe ich die augen und laufe gefahr, wieder einzuschlafen. mir wird bewusst, dass schule furchtbar werden wird. der gedanke, dass ich stundenlang umgeben sein werde von menschen die ich nicht mag und die mich komisch finden, macht mir angst. ich gehe die leute durch, die mich mögen. meistens. ich denke an die vergangenen tage, und wie selten sie mal wieder für mich da waren. und das, obwohl sie merken, dass es mir nicht gut geht. nicht nur der gedanke an schule ist schrecklich. dass man so gesehen keine leute da draußen hat, die sich um einen sorgen, macht mich unfassbar traurig. und wütend.
ich werde wütend, zumindest so wütend, wie es meine müdigkeit, um inzwischen zwanzig nach sechs, zulässt. plötzlich bin ich nicht mehr traurig, nein, es ist der hass der plötzlich da ist.
'du brauchst diese menschen nicht. irgendwann wird alles besser', hallt es durch meinen kopf. ich will aufstehen. ich will alle hassen. ich will ihnen zeigen, dass ich nicht auf sie und ihre falsche freundlichkeit angewiesen bin.
aber es geht nicht. ich frage mich, wie es weitergehen wird. die schule macht mich fertig, ich schaffe nichts, egal wie sehr ich mich bemühe. was soll später aus mir werden? welche perspektiven habe ich, mit einem schlechten abitur dass auf dem arbeitsmarkt so viel wert sein wird, wie eine ed hardy jacke beim discounter auf dem wühltisch? ich ziehe meine beine an, mache mich klein. die zeit rennt, gleich ist es halb sieben. ich weiß immernoch nicht, wofür ich aufstehen soll. für was, für wen.
ich denke an gestern. der tag fing genauso an.
ich denke an vorgestern. ebenso.
ich denke - ich denke gar nichts mehr.
es klopft jemand an meine tür 'hast du keine schule, oder was ist los?!'
ein kurzes, schwaches lächeln, nur für mich.
'guten morgen, süße', sage ich ganz leise zu mir selbst. 'du schaffst das.'
ein blick auf meine uhr. ich bin natürlich schon viel zu spät dran.
dann stehe ich auf, stolpere in mein leben.
 
und der einzige gedanke der bleibt ist, morgen wird es nicht anders laufen.