27. Juni 2013

zukunftsvisionen

Es ist halb neun morgens, als ich bei der Berufsberatung aufkreuze. 
"Ist noch früh, was?", fragt mich die Frau, die mir die Tür zu ihrem Büro öffnet. Sie mustert mich, verzieht das Gesicht.
Ich hasse sie jetzt schon. 
"Dann wollen wir mal...", fängt sie furchtbar motiviert an. "Ich sehe, sie haben dieses Jahr ihr Abitur gemacht?" Ihr Blick wandert vom PC zu mir. Wieder ein musternder Blick. Willkommen im 21. Jahrhundert gute Frau, denke ich. Ja, man kann auch mit Star Wars Shirt und türkisen Haaren Abitur machen. "Sie haben auch bestanden?", fragt sie weiter.
"Ähm.. ja?" Wieso stellt sie so doofe Fragen? Wieso um diese schreckliche Uhrzeit schon so doofe Fragen? Ich verdrehe die Augen und beobachte sie dabei, wie sie meinen Anmeldebogen überfliegt. Sie blickt kurz zu mir auf und lacht. 
"Okay, das sieht ja interessant aus.. Sie haben als Berufswunsch irgendwas mit Medien, darstellende Kunst oder Eventmanagment angegeben. Ich kann das jetzt nicht alles mit Ihnen durchsprechen, dazu reicht die Zeit nicht."
Sie bietet mir an, über die Medienberufe zu reden. Ich nicke nur, und während sie mir die Nachteile des Journalismus aufzählt, denke ich darüber nach, welche Bilder ich bei tumblr als Favoriten gespeichert habe und gleich posten werde.
"Verstehen Sie was ich meine?", holt sie mich in die reale Welt zurück. "Ja absolut.", erwidere ich schnell. 
Keine Ahnung, wovon sie geredet hat.
"Ich rate Ihnen generell vom Journalismus-Studium ab." Sie reicht mir einen Stapel Broschüren. "Schauen Sie sich das zuhause an. Da finden sie Studiengänge, die auch in die Richtung gehen. Ich stopfe alles in meine Tasche und lehne mich zurück. "Ja dann.", sage ich und hoffe, dass ich gehen kann.
Sie lächelt mich wieder ekelhaft freundlich an. "Konnte ich Ihnen denn schon ein bisschen helfen?" Aber hallo, denke ich. Jetzt weiß ich absolut wie meine Zukunft aussehen wird. Mir einfach alles schlechtreden und dann freundlich grinsen. Genau das habe ich gebraucht. "Klar, danke", sage ich und versuche mich auch an so einem Zahnpasta-Lächeln. Grandios gescheitert.
"Werden sie sich schon zum Wintersemester einschreiben?", will sie zum Schluss noch wissen. 
"Das hab ich so vor, ja.", antworte ich. 
Sie steht auf und geht zur Tür. "Okay..", fängt sie an. "Achten Sie nur darauf, dass Sie immer den bestmöglichen Eindruck machen." Sie öffnet mir wieder die Tür. 
Diese spießige alte Kleinstadthexe. "Oh, ich denke ich bekomm das hin. Ich will ja nicht in einem kleinen Büro bei den Behörden versauern."  Und ha, da bekommt sie mein freundlichstes Lächeln. Und sie.. lacht nicht mehr. 
Wenn ich eins kann, und das mit Vergnügen, dann ist es anderen den Tag zu versauen. 
Ich hatte meinen Spaß.