als kind wird man im idealfall so erzogen, dass man nett ist, andere akzeptiert, nicht schlecht redet und leuten ihr glück gönnt. das problem dabei ist, im laufe der zeit merken wir: das ist alles gar nicht so leicht. wir begegnen menschen, die anscheinend anders erzogen wurden, wir müssen uns mit ihnen auseinandersetzen. und dabei vergessen wir gerne auch mal unsere gute kinderstube. was ich sagen will ist, manchmal fällt es selbst den nettesten menschen schwer, sich an ihre gute erziehung zu halten. immer gut über andere reden, immer lieb und höflich sein, das klappt irgendwie nicht.
mir ist heute mal wieder bewusst geworden, wie schwer es mir fällt anderen irgendwas zu gönnen. wisst ihr, ich bin wirklich kein schlechter mensch. ich versuche es eigentlich immer zuerst mit freundlichkeit und offenheit, ich gebe jedem eine chance. so wurde es mir beigebracht und das ist auch gut so.
nur ist es wirklich nicht leicht für mich, andere um mich herum glücklich zu sehen, während man selbst nie was davon abbekommt. gerade weil man doch kein schlechter mensch ist, rechnet man doch mit dem ganz großen glück oder? und dieses warten, es macht nicht nur müde und wütend.
man merkt, wie sich die gute erziehung langsam verabschiedet. also lasst mich jetzt, hier und jetzt, scheiße sein. gemein und missgünstig. anlass: vorhin am bus präsentierte sich ein pärchen, im besten bravo-leser-alter, wild knutschend als würden sie die schlussszene eines hollywoodfilms drehen. fand ich den anblick am anfang noch relativ peinlich und armselig, wurde irgendwas langsam anders. da war kein mitgefühl für sie, weil alle starrten und sie belächelten. da war keine traurigkeit, weil ich mich einsam fühle. da war nichts als purer neid. nicht dass mir dieses gefühl total neu ist, aber es war selten so extrem, selten so real. es fällt mir leicht damit umzugehen, diese gefühle kommen und gehen.
nur schön sind sie trotzdem nicht, und es könnte so leicht sein, wenn wir anderen doch nur immer ihr glück gönnen würden. denn so wurden wir ja eigentlich auch erzogen.