27. November 2012

endlich hilfe?

vielleicht ist das heute einer der tage, der im kalender rot angestrichen werden muss. an dem tagebuch geschrieben werden muss, an den ich mich erinnern muss. und vielleicht auch endlich einer, an den ich mich gerne erinnere. 
die letzten zwei tage waren die hölle. ich wusste nicht mehr weiter, weil zu viele gedanken da sind, mit denen ich nicht mehr zurechtkomme. und vor allem nicht alleine. normale menschen würden an dem punkt mit jemandem reden. da ich aber weder normal bin, noch eine idee hatte mit wem ich reden sollte, nahm ich meinen block raus und fing an zu schreiben. aus einer ersten unsicheren zeile wurden mehrere zeilen. die erste seite war voll, dann die rückseite. ich schrieb alles auf was mich belastet, was mich im moment belastet, was mich vor jahren belastet hat. nach zehn seiten habe ich den stift zur seite gelegt und habe mich unglaublich seltsam gefühlt. da stand einfach alles was mich zu dem gemacht hat was ich bin. was ich denke, was ich will, wovor ich angst habe. 
wirklich besser gefühlt habe ich mich dadurch nicht, ganz im gegenteil. während ich all diese dinge schrieb, war mir zum heulen, zum kotzen, zum in grund und boden schämen. und immer wieder die frage, was ich damit überhaupt soll. 
heute kamen noch mal zwei seiten dazu. es ist ja schon irgendwie traurig, dass mir immer noch mehr dinge eingefallen sind, die mich zu diesem kaputten etwas gemacht haben. viel trauriger die gewissheit, dass ich es niemandem zeigen kann. meine eltern, für die das eigentlich bestimmt war, würden es nicht verstehen. mir fällt es ja schon schwer es zu verstehen, zu akzeptieren. die wut, dass ich hier einen lauten schriftlichen hilfeschrei liegen hatte, aber ihn niemals einer hören würde, hatte mich voll im griff. so gesehen könnte das jetzt das ende einer meiner tollen geschichten hier sein. 
ist es aber ausnahmsweise mal nicht. 

nachdem ich mich heute durch den tag gequält hatte, stand mir nach dem unterricht mal wieder ein beratungsgespräch bevor. ich weiß nicht ob ihr das kennt, wenn man schlechte noten hat, wird man einmal im quartal von den lehrern darüber aufgeklärt, dass das abi in gefahr sein kann. kurz: langweilt mich weil bringt nichts.
ich hatte das glück, dass meine beratungslehrerin mich ziemlich gut kennt aus vergangenen schuljahren. und vor allem weiß sie, dass bei mir nicht alles okay ist. wir haben den notenkram schnell geklärt, und ich habe ihr schließlich von dem text erzählt den ich geschrieben habe, und der angst es irgendwem zu zeigen. es klingt verrückt, aber ausgerechnet diese frau, meine alte mathelehrerin die mir fünfen und sechsen gegeben hat, hat mich verstanden. 
und sie hat mir angeboten, dass sie die zwölf seiten psychotext liest. 

ihr werdet jetzt die hände über dem kopf zusammenschlagen - aber ich habe zugestimmt. ich habe ihr den text gegeben, und sie wird ihn bis nächste woche lesen, damit wir uns dann wieder zusammensetzen können. lacht nicht, wenn ihr es für dumm haltet dass ich das getan habe. 
verzweifelte menschen tun manchmal halt auch dumme sachen. 
und wenn sonst keiner da ist, der mir hilft, der mich versteht, dann ist das vielleicht meine einzige chance wieder mit dem leben klarzukommen. 
ich hoffe ich habe das richtige getan. 
aber das wird wohl nur die zeit zeigen.